Mit Bauchschmerzen zur Arbeit und deprimiert wieder nach Hause – Wie wird ein Arbeitsumfeld toxisch?

Wenn der Arbeitstag zum Spießrutenlauf wird, der Chef mehr und mehr zum Choleriker mutiert und auch unter den Kollegen eine durchweg angespannte Stimmung herrscht, deutet das meist auf eines hin: Sie arbeiten in einem toxischen Arbeitsumfeld. Doch was sind eigentlich die typischen Anzeichen und woran erkennt man sie?

Die meisten von uns verbringen einen Großteil ihrer Zeit unter der Woche in der Arbeit. Nichts ist daher wichtiger als ein angenehmes Arbeitsklima, in dem man sich wohlfühlen und ohne ständige Nervosität seiner Arbeit nachgehen kann. Ob sich diese Atmosphäre durch freundschaftliche Beziehungen zu den Kollegen oder einer offenen Kommunikation mit den Führungskräften auszeichnet, entscheidend ist, dass wir uns anerkannt fühlen und eine gewisse Wertschätzung für das, was wir tun, erhalten.

Sind diese Umstände jedoch nicht gegeben – oder ist sogar das Gegenteil der Fall – leidet nach und nach die Leistungskraft der Mitarbeiter darunter, bis zum Schluss die gesamte Unternehmenskultur beeinträchtigt wird. Infolgedessen sinkt die Motivation der einzelnen Personen, Krankschreibungen werden immer häufiger und die Stimmung verschlechtert sich zunehmend.

Haben auch Sie schon derartige Muster in Ihrem Unternehmen wahrnehmen können, entweder bei Ihren Kollegen oder auch bei sich selbst?

Wenn Ihnen die folgenden Anzeichen bekannt vorkommen, kann es sein, dass auch in Ihrem Betrieb ein toxisches Arbeitsumfeld herrscht:

Communication is key – isn’t it?

Was für zwischenmenschliche Beziehungen gilt, gilt auch für die Kommunikation im Unternehmen. Kommunikationsprobleme können sich daher auf unterschiedlichen Wegen bemerkbar machen, besonders häufig treten sie allerdings zwischen Führungskräften und ihren Mitarbeitenden auf. So kann sich mangelnde Kommunikation in dem Sinne abzeichnen, dass die Teamleitung nur unzureichende Anweisungen erteilt und scheinbar voraussetzt, dass die Untergebenen ihre Gedanken lesen können. Noch schlimmer ist es bei fehlender Kommunikation, wo den Mitarbeitenden Informationen vorenthalten werden und sie prinzipiell von wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen werden. Ebenso fatal wie eine fehlende ist gleichwohl auch eine unprofessionelle oder gar respektlose Kommunikation, egal zwischen welchen Parteien. Diese führt im Laufe der Zeit zu Konflikten und verstärkt das toxische Arbeitsklima um ein Vielfaches.

Klatsch und Tratsch

In engem Zusammenhang mit oben genanntem Kommunikationsproblem stehen häufig auch Lästereien unter den Kollegen. Während im Meeting noch alle zustimmend nicken und niemand sich traut, etwas zu sagen, ist es in missgünstigen Umgebungen leider häufig so, dass sich im Anschluss Grüppchen bilden, die dann über die getroffenen Entscheidungen herziehen oder über einzelne Personen lästern. In diesem Fall ist es das Beste, sich von diesen Kollegen zu distanzieren, um unnötigem Konfliktpotenzial und Stress aus dem Weg zu gehen. Wenn sich die als „harmloser“ Tratsch begonnenen Lästereien jedoch in aktives Mobbing verwandeln, ist es an der Zeit zu handeln und sich Hilfe bei Vertrauenspersonen zu suchen. Wenn sich keine Chance auf eine Besserung der Situation erkennen lässt, muss in manchen Fällen auch die Reißleine und ein Wechsel des Arbeitsplatzes in Erwägung gezogen werden.

Wenn „Anerkennung und Wertschätzung“ Fremdwörter sind

Dass man nicht für jede Kleinigkeit in den Himmel gelobt wird und nicht alle Details einer erfüllten Aufgabe gleich viel Anerkennung erhalten werden, ist vermutlich jedem bewusst. Dennoch braucht der Mensch hin und wieder positive Kritik, um motiviert zu bleiben und das Gefühl zu haben, für seine Leistungen geschätzt zu werden. Mangelt es jedoch an dieser Wertschätzung oder werden Erfolge gar kleingeredet und der Eindruck vermittelt, dass keine Arbeit gut genug sei, können auch dies Indizien für ein toxisches Arbeitsumfeld darstellen. In einem anderen Fall wird der Mitarbeitende mit Aufgaben überschüttet, die sein Arbeitspensum deutlich übersteigen, woraufhin ihm Faulheit vorgeworfen wird. Besprechen Sie Ihre Arbeitsziele daher immer unmissverständlich mit Ihrer vorgesetzten Person und halten Sie sie gegebenenfalls schriftlich fest, um sich nachher darauf beziehen zu können.

Die Tyrannei der Führungsebene

Auch hier lautet das Signalwort: Respekt. Es ist vollkommen normal, dass Ihre Führungskraft auch mal Kritik an Ihrer Arbeit äußert, schließlich fungiert sie meistens aufgrund von gesammelten Erfahrungen als Leitung eines Projektes oder einer Abteilung. Entscheidend ist allerdings, dass sich die Kritik auf die Arbeitsleistungen bezieht und nicht gegen Sie persönlich richtet. Im Umkehrschluss zeichnet sich eine gute Führungskraft auch daraus aus, dass sie

selbst kritikfähig ist, sodass Sie als untergebene Person wiederum ohne Angst vor Konsequenzen Ihre fachliche Meinung äußern können. Denken Sie immer daran, dass Ihre Teamleitung mit Ihnen und nicht gegen Sie arbeiten sollte, da nur so ein produktives Arbeitsumfeld garantiert werden kann. Wenn dies nicht der Fall ist, kann sich eine toxische Atmosphäre dementsprechend umso leichter entwickeln.

(Gem)einsame Vision

„Konkurrenz belebt das Geschäft“? – Ja und nein. Unter manchen Umständen kann es durchaus förderlich sein, einen gewissen Wettbewerbsdruck unter den einzelnen Mitarbeitenden hervorzurufen, beispielsweise wenn eine Beförderung in Aussicht ist. Unter alltäglichen Umständen und an Arbeitsplätzen, an denen Teamarbeit gefragt ist, sollte hingegen genau das im Fokus stehen: das Team. Nur, wer sich zugehörig fühlt und sich auf die anderen verlassen kann, leistet zielführende Arbeit. Aus diesem Grund definieren die meisten Unternehmen eine klare Vision, die den Angestellten verdeutlicht, wo die Unternehmensziele liegen und wie sie erreicht werden können. In Betrieben mit einem toxischen Arbeitsumfeld fehlt oft eben diese Vision oder aber sie wird von den Führungskräften nicht verständlich genug kommuniziert. Demzufolge mangelt es bei den Mitarbeitenden an der nötigen Motivation und die Performance sinkt. Fragen Sie sich also, was die Vision Ihres Unternehmens ist und ob Sie mit Ihrer Arbeit zur Erreichung der Ziele beitragen können.

Fazit: Aufgrund der Komplexität der unterschiedlichen Faktoren, die ein Unternehmen ausmachen, lässt sich die Ursache für ein toxisches Arbeitsumfeld oft nicht an einem einzigen Missstand ausmachen. Vielmehr werden Sie in jedem Betrieb etwas finden, das nicht ideal verläuft und verbesserungsfähig ist. Erkennen Sie jedoch den Großteil der genannten Anzeichen in Ihrem Arbeitsumfeld wieder oder leiden Sie gar darunter, ohne dass eine Besserung der Umstände in Sicht ist, setzen Sie sich und Ihre Gesundheit an oberste Stelle und kehren Sie der toxischen Arbeitsumgebung den Rücken zu!

VIEL ERFOLG!