Von Digital Natives und der nicht ganz so digitalen Arbeitswelt – jetzt kommt die Generation Z

Mit Mamas Handy in der Hand die ersten Schritte gemacht und auf Papas erstem Computer lesen und rechnen gelernt – die Generation Z ist geprägt von einer Flut an digitalen Informationen. Was für so manche Babyboomer für immer ein Rätsel bleiben wird, ist für die Digital Natives so normal wie die Internetflatrate auf dem Smartphone. Dementsprechend differenzieren sich auch ihre Erwartungen und Wertvorstellungen an den Arbeitsmarkt, der zu großen Teilen noch nach den altbewerten Mustern ihrer Vorgängergenerationen gestrickt ist. Was braucht es also, um die Neulinge der Arbeitswelt zu begeistern?

Jede Generation unterscheidet sich in dem, was sie sowohl beruflich als auch persönlich erreichen möchte. Diese Vorstellungen hängen stark von den jeweiligen äußeren Lebensumständen sowie gesellschaftlichen Konstrukten ab, wodurch sich immer wieder neue Ideale ergeben.

Unsere heutige Arbeitswelt besteht aus den Sprösslingen vierer Generationen, wobei sich die zeitlichen Abgrenzungen je nach Quelle um ein paar Jahre plus oder minus unterscheiden können:

  • Babyboomer: zwischen 1956 und 1965

  • Generation X: zwischen 1966 und 1980

  • Generation Y: zwischen 1981 und 1995

  • Generation Z: zwischen 1995 und 2010

Die Babyboomer, deren prägende Einflüsse und Erfahrungen vor allem der kalte Krieg, das Wirtschaftswunder und die 1968er Revolte waren, messen ihrer Arbeit einen hohen Stellenwert zu und sind besonders auf einen sicheren Job aus, für den auch oft mal die Freizeit an zweite Stelle gesetzt wird.

Die Generation X ist die letzte „analoge“ Gruppe dieser vier Generationen. Sie wuchsen noch ohne Handy oder Computer auf und erlebten den technologischen Wandel erst im Erwachsenenalter, was viele insbesondere beruflich vor große Herausforderungen stellte. Die Gen X möchte nicht mehr nur einen guten Job, sondern richtig Karriere machen, wobei gleichzeitig auch ein größerer Wert auf das neuartige Konzept der Work-Life-Balance gelegt wird.

Die Generation Y – auch Millennials genannt – sind in etwa zur gleichen Zeit wie das Internet geboren und dementsprechend technologieaffin aufgewachsen. Durch die immer digitaler werdende Welt, die auch Antrieb für die fortschreitende Globalisierung war, erlebte die Gen Y mehr Freiheit sowie Flexibilität in ihrer Lebens- und Arbeitsweise. Sie möchten Spaß an ihrem Job haben und lassen so auch mal die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen, ohne dabei auf eine steile Karriere fixiert zu sein.

Und nun kommt die letzte Generation ins Spiel – die Digital Natives der Gen Z. Ein Leben ohne Internet, digitale Arbeitsweisen und einen rasanten technologischen Fortschritt ist für sie nicht auszumalen. Auch soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube und Instagram spielen ihnen in die Karten und ermöglichen so völlig neue Formen der Selbstdarstellung und Verwirklichung. Die Gen Z wächst in einer vollständig globalisierten Welt auf, die mit globalen Problemen wie dem Klimawandel, weltweiten Migrationsströmen oder seit vergangenem Jahr auch der Coronapandemie zu kämpfen hat. Da nur knapp 14 Prozent dieser Generation an eine Besserung der wirtschaftlichen Umstände glauben, wünschen sie sich von ihrem Job hauptsächlich eines: Sicherheit und Stabilität. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern wird verstärkt Wert auf eine klare Trennung von Beruf und Privatleben gelegt, wobei der Job gerne so flexibel wie möglich gestaltet sein sollte.


Welche Werte kennzeichnen die Gen Z und wie bereitet sie sich auf die Arbeitswelt vor?


Die Generation Z weiß, dass sie wohl die letzte Generation ist, die in dem Maße von Wohlstand aufwächst, der die vergangenen 20 bis 30 Jahre bestimmt hat. Schon als Kinder standen sie im Mittelpunkt der Familien, wurden in Entscheidungen mit einbezogen und konnten durch ständige Motivation und Lob ein gesundes Selbstbewusstsein bilden. Das muss nicht heißen, dass alle aus der Gen Z verwöhnt oder gar verzogen sind, im Gegenteil: aufgrund ihrer äußeren Umstände hatten sie von klein auf dieMöglichkeit, sich frei zu entwickeln und alles auszutesten. Infolgedessen konnten sie sich auch eine andere Weltansicht als ihre Eltern oder Großeltern aneignen sowie ein offenes, neugieriges Wertemuster kreieren. Dank ihrer weltweiten Vernetzung auf den sozialen Medien sind sie begeistert von Diversität und Multikulturalität, demonstrieren für die Gleichberechtigung von Minderheiten und gegen den Klimawandel. Genauso individuell wie ihre Persönlichkeit muss auch ihr Arbeitgebender sein.

Aufgrund der vielen Unsicherheiten, die die kommenden Jahrzehnte mit sich bringen werden, wollen sich die meisten Anhänger der Generation Z so gut wie möglich auf ihre Zukunft vorbereiten und streben daher eine gute Ausbildung an. Während vor 30 Jahren nur knapp 25 Prozent eines Jahrgangs das Abitur gemacht haben, sind es heute beinahe 50 Prozent. Folglich gibt es auch mehr Absolventen, die sich für ein Studium entscheiden, so gab es deutschlandweit allein 2019 über 514.000 Studienanfänger:innen.


Ein Faktor, der der Gen Z auf der Suche nach dem richtigen Arbeitsplatz besonders in die Karten spielt, ist der demografische Wandel. Da in vielen Bereichen eine größere Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften besteht als das Angebot es zulässt, müssen die Arbeitssuchenden ihren Fokus nicht mehr darauflegen, wie sie ihren potentiellen Arbeitgebenden von sich überzeugen können, sondern haben den Luxus zu fragen, was kann mein Arbeitgebender mir bieten?


Welche Herausforderungen bringt die Gen Z für die Arbeitswelt?

Wie bereits erwähnt, ist die Gen Z nicht mehr so an einer schnellen Karriere interessiert wie frühere Generationen, ihr Arbeitgebender verliert sogar eher an Stellenwert. Es soll weder gelebt werden, um zu arbeiten, noch gearbeitet werden, um zu leben. Stattdessen strebt die Gen Z nach einem Mix aus beidem und muss dementsprechend motiviert werden. Auch bei den Themen Nachhaltigkeit, Wertevorstellungen und Flexibilität wird gerne zweimal hingeschaut, während ein Spitzengehalt und der mit der Arbeit verbundene Status in den Hintergrund rücken. So würden beispielsweise 57 Prozent nicht für ein Unternehmen arbeiten, dessen Produkte oder Dienstleistungen nicht für Umwelt und Gesellschaft nachhaltig sind, genauso wie 39 Prozent ihren Job kündigen würden, wenn die Werte des Arbeitgebenden nicht den eigenen entsprechen. Genauso schnell wie sie kommen, werden sie ihren Arbeitsplatz auch wechseln, wenn nicht das geboten wird, was zu ihrem Lebensstil passt.

Auch für den Personalbereich bringt die jüngste Generation am Arbeitsmarkt einige Herausforderungen mit sich. Wer sich über den Nachfrageüberschuss bewusst ist, sollte mit der Akquise nach neuen Talenten also nicht erst bis nach deren Abschluss warten, sondern schon mit Schulmarketing oder der Vergabe von Ausbildungsplätzen beginnen. Besonders das Thema Employer Branding wird immer wichtiger, gerade für eine Generation, die sich so sehr mit ihrem Arbeitgebenden identifizieren möchte. Wo ältere Generationen im Bewerbungsgespräch vielleicht noch zurückhaltend waren, Überstunden, Urlaubstage oder gar Home-Office Möglichkeiten erst nach geraumer Zeit im Unternehmen angesprochen wurden, scheut sich die Gen Z nicht, diese Themen gleich zu Beginn zu diskutieren. Und wer ihnen nicht bieten kann, was sie suchen, der ist schnell vom Tisch. Ebenso wichtig sind den Neulingen lockere Führungsmuster und Unternehmensstrukturen, die sich an die moderne Arbeitswelt anpassen und ein offenes Ohr für neue Ideen und den Wandel der Zeit haben, anstatt darauf zu hoffen, dass sich die neuen Talente in ihre altbackenen Muster einfügen.


Fazit: Wie jede neue Generation denkt auch die Gen Z, dass ihre Werte und Arbeitsmodelle die richtigen sind und sich die Arbeitswelt nach ihren Maßstäben verändern muss. Noch wird der Arbeitsmarkt von den Generationen X und Y dominiert, doch in etwa zehn Jahren steht schon die nächste Generation Alpha bereit, die sicherlich auch viele Überzeugungen der Gen Z als überholt ansehen wird. Klar ist jedoch: unsere Welt verändert sich stetig weiter und steuert auf neue, globale Herausforderungen zu, die unsere Arbeitswelt wieder und wieder aufmischen werden – so wie es nun die Generation Z tut.

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