Konflikte zwischen Mitarbeitenden – wie begegnet man Streithähnen im Team?

Wo Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammenarbeiten, ist es nur logisch, dass es hin und wieder zu Meinungsverschiedenheiten kommen wird. Im Bestfall ergeben sich daraus neue Perspektiven und das Team profitiert von den verschiedenen Gemütern. Kommt es jedoch anstelle eines konstruktiven Austausches öfters zu Reibungen, die nicht selten im Streit enden, muss ein Konfliktmanagement her. Doch wie sieht das aus? Am besten gleich zu den Vorgesetzten laufen oder lieber erstmal im Team eine Lösung suchen?


Wer an Unstimmigkeiten am Arbeitsplatz denkt, hat als erstes vermutlich den Chef oder die Chefin im Kopf. Mindestens genauso häufig kracht es jedoch auch zwischen einzelnen Teamkollegen sowie -kolleginnen. Das drückt nicht nur die allgemeine Arbeitsatmosphäre, sondern schadet auch der Produktivität und den Leistungen aller Beteiligten – egal ob aktiv oder passiv. Nicht alle reagieren auf dieselbe Weise auf Interessenskonflikte; während manche scheinbar auf Streit aus sind und im Verlauf dessen geradezu echauffierend lautstark ihre Meinung kundtun, scheuen andere vor Auseinandersetzungen jeglicher Art zurück und suchen schon bei den kleinsten Anzeichen das Weite. Dementsprechend fällt auch nicht jeder Konflikt gleich auf, sodass zwischen den Streithähnen tage- oder auch wochenlang ein kalter Krieg des Anschweigens herrschen kann, ohne dass es zu verbalen Auseinandersetzungen kommt.

Was deutet auf ein hohes Konfliktpotenzial im Team hin?

Diskriminierung

Was bei scheinbar willkürlicher Ausgrenzung beginnt, kann schnell in echtes Mobbing übergehen. So sind es vielleicht immer die gleichen vier Kolleginnen, die zusammen in die Mittagspause gehen, während die fünfte stets allein essen muss. Oder aber es steht wieder eine wichtige Entscheidung an, bei der wie jedes Mal dieselben Macher zu Wort kommen und dieselben stillen Analytiker übergangen werden.


Schlechtes Kommunikationsverhalten

Bei genauer Betrachtung können sowohl die verbale als auch insbesondere die nonverbale Kommunikation unter Mitarbeitenden auf ein erhöhtes Konfliktpotenzial hindeuten. Wie ist der allgemeine Umgangston zwischen den Kollegen und Kolleginnen? Geht man wertschätzend miteinander um oder hört man mehr Forderungen als Bitten, mehr Vorwürfe als Vorschläge? Genauso bei der nonverbalen Kommunikation, werden Neulinge beispielsweise mit Absicht ans andere Ende des Büros gesetzt, sodass kaum Gespräche entstehen können? Oder wird jemandem während der Kaffeepause aktiv der Rücken zugedreht und die Person somit von jeglicher Konversation ausgeschlossen?


Exzessive Fehltage

Werden überdurchschnittlich viele Krankheitstage gezählt, kann auch dies ein Hinweis darauf sein, dass sich die „kranke“ Person in einer Konfliktsituation befindet und sich nicht anders zu helfen weiß. Ein mögliches Extrem bei häufigen Fehltagen ist zudem eine hohe Fluktuationsrate im betroffenen Team oder der Abteilung, die darauf hindeutet, dass allgemein eine niedrige Jobzufriedenheit herrscht und Mitarbeitende nicht lange in diesem Betriebsklima arbeiten können.


Wie entstehen Konflikte zwischen Mitarbeitenden?

Am Arbeitsplatz treffen eine Vielzahl unterschiedlicher Wertvorstellungen, Interessen, Arbeitseinstellungen usw. aufeinander. Dennoch müssen am Ende des Tages gemeinsam Leistungen erbracht und Ziele erreicht worden sein, damit das Unternehmen funktionieren kann. Wo scheinbar unvereinbarliche Charaktere zusammenstoßen, ist dieser Erfolg schnell bedroht, je nachdem wo die Konfliktursachen liegen.


Häufige Konfliktursachen:

  • Egoismus einzelner Mitarbeitender

  • Fehlende Motivation

  • Machtkämpfe zwischen Mitarbeitenden

  • Unklare Zielvereinbarungen

  • Ungerechte Aufgabenverteilung

  • Unstimmige Chemie zwischen Teammitgliedern

  • Inkompetenz (der Teamleitung oder einzelner Kolleg:innen)

Wie kann man der Eskalation von Konflikten entgegenwirken?

Gehe Konflikten nicht aus dem Weg

Vor unangenehmen Situationen oder Gesprächen stecken wir gerne den Kopf in den Sand und versuchen sie so lange vor uns herzuschieben wie möglich. Bei Konflikten, die das Potenzial haben zu einem ernsthaften Streit zu mutieren, sollte aber genau das vermieden werden. Je länger wie unseren Unmut in uns hineinfressen, desto mehr emotionale Energie raubt uns die Situation, weshalb die Konfliktursache so schnell wie möglich geklärt werden sollte - auch wenn wir denken, selbst keine Schuld an der Sache zu tragen.


Wähle Deine Worte (und Taten) mit Bedacht

Wenn Du beschlossen hast, Dich Deinem Konflikt zu stellen, solltest Du unbedingt auf die Wahl Deiner Worte und Taten achten. Die Absichten können noch so gut sein, wenn die Kommunikation mangelhaft ist, kann sich die Lage im schlimmsten Fall auch verschlechtern. Viele Konflikte entstehen sogar aufgrund von Kommunikationsproblemen wie beispielsweise dem Nicht-Einbeziehen eines Mitarbeitenden in die Entscheidungsfindung oder der Nicht-Einhaltung eines Versprechens. Wer bewusst an seiner Kommunikation arbeitet, entgeht auf diese Weise dem ein oder anderen Konflikt.


Nimm nicht alles gleich persönlich

Nicht jede Kritik an Deiner Arbeit ist gleich negativ gemeint, noch weniger zielt sie auf Deine Persönlichkeit ab. Dass man nicht mit jeder Person gleich gut klickt und sich manchmal auch einfach unsympathisch findet, ist vollkommen normal und passiert auch am Arbeitsplatz nicht selten. Entscheidend ist nur, dass man in diesem Fall Arbeit und Privates trennen kann, sodass man zwar, was das Teamwork angeht, harmoniert und gemeinsam Leistungen erbringen, sich nach Feierabend aber guten Gewissens aus dem Weg gehen kann.


Hol‘ eine dritte Person mit ins Boot

Wenn alle Stricke reißen und ihr einfach nicht mehr zusammen in einem Raum sein könnt, ohne zu explodieren, muss eine streitschlichtende Person eingeschaltet werden. Dabei kann es sich sowohl um weitere Mitarbeitende, einen Vorgesetzten oder eine externe Mediation handeln, Hauptsache es wird neutral zwischen den beiden Parteien verhandelt. Der große Vorteil einer unabhängigen Person ist es, dass sie komplett objektiv an die Situation herantreten und die Sachverhalte ohne Vorurteile betrachten kann. Auf diese Weise lassen sich oft Lösungswege erkennen, die internen Personen verborgen geblieben wären.


Fazit: Konflikte lassen sich aufgrund unterschiedlicher Charaktere auch am Arbeitsplatz nicht immer vermeiden. Wichtig ist es nur, die Anzeichen für bestehendes Konfliktpotenzial frühzeitig zu erkennen und ihnen mit einer transparenten Gesprächskultur entgegenzuwirken. Viele Missverständnisse lassen sich auf diese Weise auch ohne externe Hilfe aus dem Weg schaffen.

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