An der Grenze zum Burnout – wie viel Stress ist noch vertretbar?

Wer in der Früh mit einer heftigen Erkältung aufwacht oder schon die ganze Nacht mit einem Magen-Darm-Virus zu kämpfen hatte, tut das einzig Logische: sich krankmelden. Dass wir lieber mal einen Tag zu Hause bleiben, wenn wir uns körperlich schlapp fühlen, wird als vollkommen normal betrachtet. Aber was tun, wenn wir uns auch psychisch erschöpft fühlen und uns wie ein Zombie durch den Tag schleppen? Wie viel beruflicher Stress ist noch „normal“ und was sind die Warnzeichen für einen Burnout?


„Heute ist einfach nicht mein Tag“. Zu oft tun wir diesen Zustand der psychischen Erschöpfung als Nichtigkeit ab und ignorieren dabei die Ursachen für unsere geistige Müdigkeit. Einfach mal eine Nacht gut durchschlafen, dann wird schon alles wieder passen, oder? So einfach ist es leider nicht. Oftmals beginnt es zwar nur mit ein paar miesen Tagen, einer stressigen Periode in der Arbeit oder dem Gefühl einer emotionalen Erschöpfung, die einen mehr und mehr entmutigt, sich wieder aufzurappeln. In vielen Fällen steckt jedoch eine ernstzunehmende Bedrohung für unsere mentale Gesundheit dahinter – die Burnout-Gefahr.

Was genau ist eigentlich ein „Burnout“?

Auch heute gibt es weder eine einheitliche Definition für dieses Phänomen noch eine eindeutige medizinische Diagnose. Meistens versteht man unter einem Burnout den Zustand starker emotionaler und körperlicher Erschöpfung. Man fühlt sich ausgebrannt (engl. to burn) und hat Probleme, seine alltäglichen Aufgaben zu bewältigen – ganz egal ob persönliche oder berufliche. Bei fehlender oder auch der falschen Behandlung kann ein Burnout schnell zur Arbeitsunfähigkeit oder einer Depression führen. Wichtig ist dabei, den Unterschied zwischen letzterem und einem Burnout zu kennen: bei Depressionen sind meistens gleich zu Beginn alle Bereiche des Lebens betroffen, man fühlt sich antriebslos und kann keine Energie aufbringen, gegen die Krankheit anzukämpfen. Beim Burnout hingegen versuchen Betroffene häufig erst, gegen den Stress und die chronische Erschöpfung anzukämpfen, bis sie sich derart verausgaben, dass sie „ausbrennen“.

Wie entsteht ein beruflicher Burnout?

Die richtige Arbeit kann Spaß machen und ein Erfolgsgefühl vermitteln, genauso kann sie jedoch auch zu Stress und Krankheit führen. Wer zum Beispiel befördert wird, freut sich zunächst über die neue Position und die Anerkennung für die geleistete Arbeit. Mit der neuen Stelle kommt allerdings auch mehr Verantwortung und (je nach Position) der ständige Drang, für andere erreichbar zu sein. Dadurch ergeben sich neue Stressfaktoren, unorganisiertes Multitasking, endlose To-Do-Listen und fehlende Handlungsspielräume für spontan anfallende Aufgaben.

Das Problem dabei ist, dass es sich meistens um einen schleichenden Prozess handelt, der sich nicht selten über Jahre ziehen kann. Betroffene nehmen Phasen der Erschöpfung daher nicht als akut war, sondern als normale Begleiterscheinung von stressigen Arbeitsperioden.

Was sind die typischen Anzeichen eines Burnouts?

Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung

Alltägliche Aufgaben werden auf einmal zur Herausforderung, was Sie vorher mit links gemacht haben, überfordert Sie jetzt. Zwei Tage Wochenende sind nicht mehr genug (mal davon ausgegangen, dass sie jemals genug waren), das Verlangen nach längeren Ruhepausen wird immer stärker und auch wenn es mal zur Erholung kommt, hält diese nicht mehr so lange an wie früher. Auch das Abschalten nach der Arbeit fällt immer schwerer, sodass die Gedanken um nichts anderes als den nächsten Arbeitstag, das neue Projekt oder die nicht fertig gewordenen Aufgaben kreisen.


Nachlassende Leistungsfähigkeit und Konzentrationsschwäche

Dadurch, dass Sie nachts nicht mehr durchschlafen können und sich nur rastlos von einer Seite auf die andere wälzen, leidet tagsüber Ihre Leistungsfähigkeit unter dem Schlafmangel. Durch diese zusätzliche Nervosität passieren Leichtsinnsfehler, die gerne umso intensiver wieder aufgearbeitet werden. Da jedoch die nötige Konzentration fehlt, gelingt auch das nicht mehr, sondern raubt nur zusätzliche Kraft. Auf diese Weise entsteht die Angst, dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen zu sein, worunter wiederum die emotionale Belastbarkeit leidet. Alles in allem also ein Teufelskreis, dem man scheinbar nicht mehr alleine entkommen kann.


Innere Leere

Zusätzlich zum Frust im Job verlieren Sie auch nach und nach die Freude am Alltag, an den Treffen mit Ihren Freunden und Ihren Hobbies. Was früher Spaß gemacht hat, wird jetzt zur Anstrengung und verliert seinen Sinn. Im schlimmsten Fall stellt sich ein regelrechtes Gefühl der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ein, was die emotionale Erschöpfung nur noch verstärkt.


Rückzug

Meistens als Folgeerscheinung der inneren Leere tritt dann ein Rückzug aus dem Sozialleben ein. Man hat keine Lust mehr, sich zu verabreden oder irgendwelchen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen, sondern versinkt in der eigenen Isolationsblase. Spätestens in dieser Phase wird auch für Außenstehende bemerkbar, dass etwas nicht in Ordnung ist, leider wollen sich die Betroffenen selbst sich dies jedoch noch immer nicht eingestehen.

Ich leide unter einem Burnout – was kann ich tun?

Auf diese Frage gibt es leider keine einfache Standardantwort. Je nachdem, wie tief Sie schon in der Krise stecken, gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte, um wieder herauszufinden:

  • Eigene Erwartungshaltung überprüfen

  • Arbeitssituation verändern

  • Geregelte Pausen planen und durchziehen

  • Gesund leben

  • Sozialleben stärken

  • Persönliche Stress-Bewältigungsstrategien entwickeln

Entscheidend bei diesen Behandlungsformen ist, dass sie zur persönlichen Lebenssituation passen und keinen zusätzlichen Stress provozieren. Sollten Sie selbst nicht in der Lage sein, etwas an Ihrer gegenwärtigen Situation zu ändern, holen Sie sich professionelle Hilfe. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Form von Selbsthilfegruppen oder aber auch Gespräche in Form von Psychotherapie können dazu beitragen, einen konstruktiven Lösungsweg zu finden. Wichtig ist, dass Sie sich aus freien Stücken dazu entscheiden und sich nicht aufgrund des (oft gut gemeinten) Drucks von Freunden, Kollegen oder der Familie dazu verpflichtet fühlen.


Fazit: Ein Burnout hat nichts mit persönlichem Versagen zu tun und kann die unterschiedlichsten Personen treffen. Um langfristigen Gesundheitsproblemen vorzubeugen, sollten Sie stets auf Ihren Körper sowie Geist hören und sich lieber eine Pause zu viel als zu wenig gönnen. Nehmen Sie Anzeichen wie Erschöpfung, Dauerstress und Versagensängste ernst, nur so lässt sich die Gefahr des „Ausbrennens“ frühzeitig neutralisieren.


Wichtiger Hinweis: Dieser Blogbeitrag dient als Informationsquelle und enthält nur allgemeine Hinweise. Er darf nicht zur Selbstdiagnose und/oder –behandlung verwendet werden und kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.